Augentrockenheit: mögliche Ursachen und Symptome

Augentrockenheit, in der medizinischen Fachsprache auch Sicca-Syndrom genannt, ist keine Krankheit an sich, sondern ein Symptom, das krankheitsbedingt oder als Folge äußerer Umwelteinflüsse auftreten kann und aus einem Mangel an Tränenflüssigkeit resultiert. Die in den speziellen Drüsen am Lidrand und in der Bindehaut gebildete Tränenflüssigkeit ist notwendig, um die Horn- und Bindehaut feucht zu halten, eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Gewebes zu gewährleisten und Fremdkörper sowie Keime wie Bakterien und Viren aus den Augen zu schwemmen. Sie setzt sich aus Proteinen und Enzymen zusammen und enthält Antikörper, die das Auge vor Infektionen schützen. Durch mehrere Lidschläge in der Minute wird die Flüssigkeit gleichmäßig im gesamten Auge verteilt.

Kommt es durch äußere Einflüsse, Krankheiten oder hormonelle Veränderungen zu einer mangelnden oder verminderten Produktion oder Verteilung von Tränenflüssigkeit, nimmt der Betroffene dies als Augentrockenheit wahr. Auch eine krankheitsbedingte falsche chemische Zusammensetzung zwischen den flüssigen, fetthaltigen und schleimigen Komponenten kann die Symptome von trockenen Augen erzeugen. Während die schleimige Komponente dem Schutz der Hornhaut und der Korrektur von Unebenheiten an deren Oberfläche dient, wirkt die Fettschicht der Verdunstung von Flüssigkeit entgegen. Der flüssige Teil enthält die Antikörper und Enzyme, die für den Schutz der Augen verantwortlich sind. Gerät dieses komplexe Zusammenspiel durch chemische Einflüsse aus dem Gleichgewicht, ist die Funktion der Tränenflüssigkeit gestört und es kommt zu trockenen und gereizten Augen.

In der Regel ist das Sicca-Syndrom gut behandelbar und verschwindet nach einiger Zeit von selbst. Nimmt es jedoch chronische Ausprägung an, ist der Besuch beim Augenarzt ratsam, denn es kann auch ein Anzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung darstellen. Bei ausbleibender Therapie kann es in seltenen Fällen zu einer Schädigung des Gewebes und in weiterer Folge zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens kommen.

Ursachen des Sicca-Syndroms

Der Augentrockenheit können viele unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. In den meisten Fällen tritt das Sicca-Syndrom durch eine übermäßige Belastung der Augen auf. Berufsbedingtes konzentriertes Arbeiten mit Computerbildschirmen, im Zuge dessen automatisch weniger Lidschläge durchgeführt werden, kann die Augen ebenso überanstrengen wie lange Aufenthalte in Räumen, in denen stark geraucht wird, eine Klimaanlage oder Heizung in Betrieb ist oder eine hohe Staubbelastung herrscht. Besonders Menschen, die in klimatisierten Büroräumen arbeiten oder berufsbedingt Lösungsmitteldämpfen ausgesetzt sind, leiden häufig an trockenen Augen.

Stress und psychische Verstimmungen, Schlafmangel, das Tragen von Kontaktlinsen, ein nicht fachgerecht ausgeglichener Sehfehler und ein ernährungsbedingter Mangel an Omega-3-Fettsäuren, können die Entstehung des Sicca-Syndroms ebenfalls begünstigen. Eine bakterielle Infektion des Lidrandes kann dazu führen, dass die Tränendrüsen verstopfen und daher keine oder nicht genügend Flüssigkeit abgeben können.

Sind solche äußeren Umwelteinflüsse oder Infektionen die Ursache für die Augentrockenheit, lässt sich diese im Normalfall leicht und schnell therapieren. Hält das Sicca-Syndrom jedoch trotz Behandlung einige Wochen an, sollte ein Augenarzt zurate gezogen werden, denn trockene Augen können auch als Begleitsymptom einer ernsthaften Erkrankung auftreten.

Oft klagen beispielsweise Patienten, die unter Diabetes mellitus leiden, über trockene Augen. Auch verschiedene Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, wie etwa Polyarthritis oder das Sjögren-Syndrom können sich durch das Sicca-Syndrom bemerkbar machen. Manchmal führen seltene Erkrankungen der Haut, wie etwa Akne Rosazea oder die Autoimmunkrankheit Lupus erythematodes zu einer gestörten Produktion von Tränenflüssigkeit.

Augentrockenheit kann auch als Nebenwirkung mancher Schlafmittel, Beta-Blocker oder Psychopharmaka entstehen. Hormonelle Veränderungen sind ebenfalls häufig für trockene Augen verantwortlich, da sich die chemische Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit hormonbedingt ändern kann. Daher sind vor allem Frauen, die östrogenhaltige Verhütungsmittel anwenden oder sich in der Menopause befinden, von Trockenheit der Augen betroffen. Auch viele Menschen, die sich einer Augenoperation, wie etwa einer Laserkorrektur des Grauen Stars oder einer Fehlsichtigkeit unterziehen, leiden nach dem chirurgischen Eingriff vorübergehend unter trockenen Augen.

Symptome und Begleiterkrankungen

Das Sicca-Syndrom wird in der Regel durch ein Jucken oder Brennen der Augen wahrgenommen. Auch ein ständiges Fremdkörpergefühl oder gerötete Augen können auf eine verminderte Produktion oder Verteilung von Tränenflüssigkeit hindeuten. Durch ständiges Reiben erhöht sich das Risiko, das sich die Augentrockenheit zu einer Bindehautentzündung oder Hornhautentzündung entwickelt. Betroffene klagen zudem oft über Augenflimmern oder einen verschleierten Blick.

Wenn zu wenig antibakterielle Tränenflüssigkeit gebildet wird, können Bakterien und Viren nicht oder nur teilweise vernichtet und ausgeschwemmt werden, was die Entstehung von Infektionen begünstigt. Daher tritt im Zuge von Augentrockenheit auch häufig eine chronische Infektion des Lidrandes auf, wenn die Ausgangskanäle der Tränendrüsen durch Keime verstopft werden. Ein häufiges Begleitsymptom des Sicca-Syndroms sind verklebte Lider nach dem morgendlichen Aufstehen, da sich durch die übermäßige Produktion von Schleim eine Kruste gebildet hat.

Behandlungsmöglichkeiten von Augentrockenheit

Vorübergehend trockene Augen werden mit Tränenersatzmitteln, die als Gele, Augentropfen, Salben oder Sprays verabreicht werden können, in der Regel erfolgreich behandelt. Abhängig von Dauer und Beschaffenheit der Symptome stehen Flüssigkeiten unterschiedlicher Zusammensetzungen zur Wahl. Die zusätzliche Gabe von Cortison ist notwendig, wenn die Symptome aufgrund einer Erkrankung wie etwa der Rosazea auftreten, bei starker Trockenheit müssen dickflüssige Mittel wie Hyaluronsäure oder Carbomere angewandt werden. Eine konsequente Lidrandhygiene wird zusätzlich empfohlen, wenn der Arzt eine Lidrandinfektion diagnostiziert.

Darüber hinaus stehen alternativmedizinische Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, um die Augen auf sanfte Weise zu befeuchten und das Fremdkörpergefühl zu nehmen. Vor allem biologisches Rosenwasser und Aloe-Vera-Gel aus dem Reformhaus haben sich zur Befeuchtung der Augen erfolgreich bewährt. Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet die Augen in Verbindung mit dem gesamten Organismus und behandelt das Sicca-Syndrom mithilfe der Akupunktur, um bestimmte Meridiane anzuregen. Regelmäßige Gänge an die frische Luft, bewusste Pausen von der Bildschirmarbeit und ausreichendes Trinken von Wasser und ungesüßtem Tee helfen, trockenen Augen gezielt vorzubeugen.

Bei chronischer oder schwerer Ausprägung stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung, damit die Tränenflüssigkeit nicht ablaufen kann und im Auge verbleibt. Hierzu werden meist winzige Silikonstöpsel, sogenannte Punctum Plugs im Zuge eines minimalen chirurgischen Eingriffs in die Tränenpünktchen eingesetzt.

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