Somatoforme Störung: Ursachen, Symptome, Behandlung

Was sind somatoforme Störungen?

Somatoforme Störungen sind psychische Erkrankungen und beschreiben unterschiedliche Beschwerdebilder, denen kein klar diagnostizierbares organisches Leiden, sondern ungelöste psychosoziale Konflikte zugrunde liegen. Die Symptome somatoformer Störungen sind vielfältig und können sich in unterschiedlichen Körperteilen und Organen ebenso manifestieren wie als Funktionsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Verdauung oder der Atmung.

Viele Betroffene leiden über mehrere Jahre hinweg an diesen unerklärlichen, bisweilen äußerst schmerzhaften Beschwerden, bevor eine somatoforme Störung festgestellt wird. Bis es zu einer eindeutigen Diagnose durch einen Facharzt kommt, haben die meisten Patienten einen langen Leidensweg hinter sich gebracht, der von ständigem Arztwechsel, Verzweiflung, Isolation und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität geprägt ist.

Häufigkeit und Risikofaktoren

In den westlichen Industrienationen zählen somatoforme Störungen nach Angststörungen und Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Geschätzte zehn Prozent der Bevölkerung sind zumindest einmal in ihrem Leben über einen längeren Zeitraum hinweg von unerklärlichen körperlichen Beschwerden betroffen, wobei Frauen deutlich häufiger darunter leiden als Männer. Die meisten Menschen, die eine somatoforme Störung entwickeln, sind zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt. Seelische Traumata sind für einen überwiegenden Teil aller Fälle von somatoformen Störungen verantwortlich. Besonders Menschen, die in ihrer Kindheit mit Gewalt, sexuellem Missbrauch, familiären Missständen oder einer Trennung der Eltern konfrontiert wurden, sind einem hohen Risiko ausgesetzt, im Erwachsenenalter an einer somatoformen Störung zu erkranken. Da auch Häufungen in Familien beobachtet werden, gehen Wissenschaftler von einer gewissen genetischen Veranlagung aus.

Mögliche Ursachen somatoformer Störungen

Schmerzen und Beschwerden, denen keine klar definierten körperlichen Ursachen zugrunde liegen, werden meist durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgelöst. In den meisten Fällen werden im Zuge der gezielten Behandlung emotionale oder soziale Konflikte, die über einen längeren Zeitraum anhalten und den Betroffenen stark belasten, als Ursachen solcher Erkrankungen festgestellt. Eine somatoforme Störung entsteht oft, wenn Menschen übermäßiger psychischer Belastung wie etwa beruflichem Stress, Angstgefühlen oder privaten Problemen ausgesetzt sind. Unterdrückte Gefühle wie Wut, Angst oder Frust manifestieren sich dabei schließlich in Symptomen wie Schmerzen oder Funktionsstörungen an körperlichen Schwachstellen.

Menschen, die eine somatoforme Störung entwickeln, nehmen körperliche Vorgänge wie etwa seelisch bedingte Verdauungsbeschwerden, Atemprobleme oder Verspannungen der Muskulatur intensiver oder stärker wahr. Die Betroffenen interpretieren diese Schmerzen als deutliche Anzeichen oder Symptome einer möglichen Erkrankung und leiden immer mehr darunter, je mehr Aufmerksamkeit sie darauf lenken.

Verlauf und Symptome einer somatoformen Störung

Je nach Lokalisation und Art der Symptome wird zwischen mehreren Formen dieser Erkrankung unterschieden. Menschen, die mehrere Jahre lang über unspezifische körperliche Probleme wie etwa Verdauungsbeschwerden, Kreislaufstörungen oder Schmerzen des Bewegungsapparates klagen, leiden unter einer sogenannten Somatisierungsstörung.

Kommt es zum Auftreten starker und oft über Jahre hinweg anhaltender Schmerzen an einer bestimmten Körperstelle, handelt es sich um eine Schmerzstörung. In vielen Fällen wird im Zuge der ärztlichen Behandlung einer Schmerzstörung zunächst eine mögliche Ursache für das Leiden diagnostiziert. So kann zum Beispiel fälschlicherweise ein Bandscheibenvorfall als Auslöser für starke Rückenschmerzen festgestellt werden. Dass eine Schmerzstörung vorliegt, erkennen Ärzte oft erst dann, wenn die Beschwerden anhalten, obwohl gezielte Therapiemaßnahmen wie etwa eine Operation oder orthopädische Behandlung gesetzt wurden.

Als dritte und häufigste Form dieser psychischen Krankheitsbilder gilt die sogenannte hypochondrische Störung. Die Betroffenen deuten körperliche Beschwerden als Anzeichen für eine lebensbedrohliche Erkrankung wie etwa Krebs und entwickeln eine quälende Angst vor dem möglichen Krankheitsverlauf. Auch wenn nach einer umfassenden medizinischen Untersuchung keine Hinweise für die gefürchtete Krankheit gefunden werden, erleben die Patienten einer hypochondrischen Störung dadurch keine Besserung ihrer Angstzustände.

Somatoforme Störungen können sich in vielfältigen Symptomen äußern, die von starken Schmerzen in bestimmten Körperregionen wie Gelenken, Bauch, Rücken, Unterleib oder Kopf bis hin zu Verdauungsproblemen, Herzrhythmusstörungen und Nervenleiden wie chronischem Zittern oder Schwindel reichen. Viele Patienten leiden unter sexuellen Störungen, Schweißausbrüchen, Hitzewallungen oder ständiger Mundtrockenheit. Die Betroffenen nehmen wiederholt ärztlichen Rat in Anspruch, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Da jedoch keine organische Ursache gefunden werden kann, die die Symptome erklären würde, verlieren die Patienten allmählich ihr Vertrauen zu Ärzten, wechseln diese häufig oder werden von ihrem Umfeld als Simulanten wahrgenommen.

Da keine Therapiemaßnahmen greifen, neigen die Betroffenen dazu, bestimmte Verhaltensmuster zu entwickeln, um mit den Schmerzen besser umgehen zu können. Sie schonen sich und reduzieren ihre körperlichen Aktivitäten, wodurch es zu einer Verschlechterung der körperlichen Verfassung und zum Auftreten neuer Beschwerden kommt. Die Patienten sind dadurch in einem Teufelskreis gefangen, der oft Jahre oder Jahrzehnte andauert.

Psychotherapeutische Therapiemaßnahmen

Im Durchschnitt wird eine somatoforme Störung erst nach etwa fünf Jahren und meist nur durch einen Spezialisten diagnostiziert, nachdem die Betroffenen eine wahre Ärzte-Odyssee hinter sich gebracht haben. Da sich die Beschwerden aufgrund einer seelischen Erkrankung manifestiert haben, muss diese im Zuge einer ursächlichen Behandlung diagnostiziert und therapiert werden. Die Gabe von Schmerzmitteln ist in der Regel erfolglos oder führt lediglich zu einer vorübergehenden Verbesserung der Beschwerden. Die Behandlung einer somatoformen Störung zielt daher darauf ab, alle möglichen seelischen, sozialen und körperlichen Faktoren zu analysieren, um belastende Konflikte zu lösen und dadurch die Schmerzwahrnehmung des Patienten positiv zu verändern.

Im Rahmen einer Psychotherapie lernen die Betroffenen, warum sich ihre unterdrückten negativen Gefühle als körperliche Schmerzen manifestieren und wie sie damit umgehen können. Neben der Aufarbeitung der psychosozialen Konflikte oder seelischen Traumata zielt die psychotherapeutische Behandlung einer somatoformen Störung darauf ab, den Patienten zu einer aktiven und positiven Lebensweise anzuleiten. Besonders Therapieansätze, die die künstlerische Kreativität fördern, haben sich in der Behandlung solcher psychischen Erkrankungen erfolgreich bewährt. Entspannungsübungen, Atemtechniken und regelmäßige sportliche Aktivität unterstützten den Körper dabei, den Schmerz zu bewältigen. In manchen Fällen kann die Gabe von Psychopharmaka dazu beitragen, eine Distanz zu den Beschwerden zu gewinnen und wieder mehr Lebensfreude im Alltag zu entwickeln.

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