Warum bekommt man Muskelkater?

Ursachen und Entstehung von Muskelkater

Ein Muskelkater ist eine meist harmlose, weitverbreitete Begleiterscheinung übermäßiger sportlicher Aktivität, die durch eine Überbelastung und daraus resultierende Verletzung von Muskelgewebe entsteht und sich in der betroffenen Region des Körpers durch Schmerzen bei Dehnung, Druck und Bewegung bemerkbar machen kann. Oft tritt als weiteres Symptom auch ein Verlust der Muskelkraft um bis zu 30 Prozent auf.

Die stechenden oder krampfartigen Schmerzen, die mitunter sehr heftig ausfallen können, stellen sich erst einige Stunden nach dem Training ein und können bis zu einer Woche anhalten. In der Regel hinterlassen die Verletzungen, die den Muskelkater auslösen, keine dauerhaften Schädigungen des betroffenen Gewebes und heilen nach dem Abklingen der Schmerzen von selbst aus.

Muskelkater – feinste Risse im Muskelgewebe

Lange wurde fälschlich angenommen, ein Muskelkater entstünde durch Einlagerung von Laktat, dem Salz der Milchsäure, das zu einer Übersäuerung des betroffenen Muskelgewebes führt. Heute ist jedoch weitgehend bekannt, dass diese schmerzhaften Zustände aus kleinen Verletzungen in den Muskelfasern resultieren.

Die genaue Ursache für einen Muskelkater sind winzig kleine Risse in den Z-Scheiben des Muskelgewebes. Diese Abschnitte liegen innerhalb der kleinsten Einheiten jeder Muskelfaser, den sogenannten Sakomeren. In den Z-Scheiben befinden sich die zwei Motorproteine Aktin und Myosin, die parallel zueinander angeordnet sind und während der Muskelarbeit aneinander ziehen. Wird für die Kontraktion des Muskels im Zuge der körperlichen Betätigung vom Gehirn ein entsprechender Befehl über das Nervensystem gesendet, ziehen sich die beiden Eiweiße in den Z-Scheiben zueinander.

Durch regelmäßige Beanspruchung kann jeder Muskel seine intramuskuläre Koordination dieser beiden Proteine auf die jeweilige Bewegung anpassen. Kommt es jedoch zu einem ungewohnten oder noch nicht gut trainierten Bewegungsablauf oder zu einer Überbelastung der Muskelfaser, werden die in den Z-Scheiben fest verankerten Aktine von den Myosinen zu stark und heftig gezogen, was zu feinen Rissen im Gewebe führt. Auf diese Mikrorupturen reagiert der Körper mit Wassereinlagerungen, die das Muskelgewebe anschwellen lassen und schließlich dehnen. Der Dehnungsschmerz, der dadurch entsteht, wird schließlich als Muskelkater wahrgenommen.

Selten treten Muskelschmerzen auch als Folge einer überdurchschnittlich langen Belastung des Körpers wie beispielsweise im Zuge eines Marathons auf. Die körperliche Ermüdung kann die intramuskuläre Koordination von Aktin und Myosin negativ beeinträchtigen. Zusätzlich kann der im Zuge der Dauerbelastung intensivierte Stoffwechsel zu einer Einwanderung von Leukozyten ins Muskelgewebe führen, die eine Entzündung verursacht. Diese macht sich wie die Mikrorupturen in den Z-Scheiben durch heftige Schmerzen bemerkbar.

Verzögertes Auftreten der Symptome

Der medizinische Fachbegriff für Muskelkater lautet Delayed Onset Muscle Soreness, kurz DOMS, der sich aus dem zeitlich verzögerten Auftreten der Symptome ableitet. Im Regelfall machen sich die Verletzungen in den Z-Scheiben erst etwa 24 bis 36 Stunden nach der sportlichen Aktivität bemerkbar.

Die Risse im Gewebe der Muskelfasern sind nicht unmittelbar nach ihrem Entstehen wahrnehmbar, da die Enden der Schmerznerven außerhalb des Muskels im umliegenden Bindegewebe angeordnet sind.
Der verzögerte Schmerz tritt deshalb auf, weil der Körper das beschädigte Zellgewebe im Zuge einer Autolyse langsam abbaut, indem die abgestorbenen Zellen durch spezielle Enzyme aufgelöst werden. Dabei tritt dieses Zellmaterial aus den Muskelfasern aus und trifft auf die Nerven. Gleichzeitig wird Wasser in die Zellen gezogen und es kommt zu kleinen Ödemen, die zu Muskelschwellungen führen. Die dadurch verursachten Gefäßverengungen und Durchblutungsstörungen werden als Schmerzen wahrgenommen.

Die mit den Wasseransammlungen einhergehende Dehnung des Muskels verschlechtert die Durchblutung zusätzlich, wodurch sich das Schmerzempfinden verstärkt. Die Symptome erreichen meist nach zwei bis drei Tagen ihre höchste Intensität und nehmen dann im Zuge des Heilungsprozesses allmählich wieder ab.

Sportarten, die Muskelkater verursachen

Ein regelmäßig trainierter Muskel weist eine funktionierende Koordination der enthaltenen Eiweiße und deren Funktion während der Kontraktion auf. Nach einer gewissen Gewöhnungsphase durch eine konstante Wiederholung der Übungen wird die Wechselwirkung von Aktin und Myosin schließlich synchronisiert, was die Entstehung von Rissen in den Z-Scheiben und damit die Symptome von Muskelkater verhindert. Sportarten, die mit sanften, gleichmäßigen Bewegungen einhergehen, wie etwa Schwimmen oder Joggen verursachen daher nach einer ersten Zeit des Trainings kaum einen Muskelkater.

Hingegen bringen körperliche Tätigkeiten, im Zuge derer es zu abrupten Abbremsbewegungen oder zu einer starken Überbelastung der Muskelfasern kommt, ein hohes Risiko mit sich, dass nach dem Training Schmerzen aufgrund von Verletzungen des Muskelgewebes auftreten. Feine Risse in den Z-Scheiben werden deshalb in hohem Maße vor allem während der Ausübung von Sportarten wie Fußball, Kraftsport, Tennis oder Squash verursacht. Auch beim Abwärtslaufen oder –wandern kommt es vermehrt zu Abbremsbewegungen, die eine funktionierende Synchronisierung der Muskelproteine stören können und dadurch zu Mikrorupturen führen, die schließlich einen Muskelkater verursachen.

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