Was ist eine Agoraphobie und wie äußert sie sich?

Definition – was ist eine Agoraphobie?

Bei der Agoraphobie handelt es sich um eine psychische Störung, die subjektiv mit starken Angstgefühlen einhergeht: Ähnlich wie bei anderen Phobien, beispielsweise der Dentalphobie, der Sozialphobie oder der Flugangst, erleben Agoraphobiker in spezifischen Situationen unverhältnismäßig große Ängste, die gewöhnlich selbst von den Betroffenen als irrational wahrgenommen werden.

Während ein Dentalphobiker Angst hat vor einem Besuch beim Zahnarzt, hat ein Agoraphobiker vielmehr Angst vor ausladenden, weiten Plätzen, welche dem Auge viel offene Fläche bieten, und insbesondere menschenüberladene Orte, an denen vermeintlich keine Fluchtmöglichkeiten zu finden sind, können für viele Agoraphobiker eine Qual sein.

Je nach Schweregrad der Phobie lösen unter Umständen bereits kleine Reize unverhältnismäßig große emotionale Reaktionen aus, was im schlimmsten Fall dazu führt, dass ein normales Leben nicht mehr möglich ist. Handelt es sich um eine leicht ausgeprägte Agoraphobie, können Betroffene sich ihren Ängsten vielfach noch stellen, weswegen beispielsweise öffentliche Verkehrsmitteln oder große Plätze noch aufgesucht werden können, ist die Störung jedoch bereits ausgeprägter, ist es für Agoraphobiker mitunter unmöglich, öffentliche oder private Verkehrsmittel zu nutzen, weswegen alle Erledigungen beispielsweise mit dem Fahrrad oder zu Fuß gemacht werden müssen.

Bleibt die Störung unbehandelt, führt dies nicht selten dazu, dass quasi alle Orte außerhalb der eigenen Wohnung Panikreaktionen auslösen, weswegen ein normaler Alltag unmöglich ist – nicht einmal der Gang zum Supermarkt kann von Betroffenen erledigt werden, ohne dass die Agoraphobie ihre Symptome zeigen würde.

Das Wort Agora stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Marktplatz“. In der klinischen Psychologie wurde das Krankheitsbild zum ersten Mal von Carl Otto Westphal im Jahr 1871 bei einem jungen männlichen Patienten beschrieben. Sigmund Freud versuchte, die Angst vor ausladenden Plätzen damit zu erklären, dass das Individuum die Besorgnis hätte, es könnte die Kontrolle über sich und sein Verhalten verlieren.

Nach dem Verständnis von Freud sei die Libido, welche in der klassischen Psychologie die Triebhaftigkeit und Sexualität ausdrückt, maßgeblich für die Entstehung einer Agoraphobie verantwortlich – ein Erklärungsmodell, welches zwar seinen Reiz besitzt, aber in der heutigen Zeit an Relevanz verloren hat, da neurobiologische Erkenntnisse nahe legen, dass insbesondere physiologische Prozesse die Entstehung von Phobien maßgeblich begünstigen.

Agoraphobie: Symptome

Wie bei jeder Phobie steht auch bei der Agoraphobie die Angst im Mittelpunkt – wobei es häufig die Angst vor der Angst ist, welche die Betroffenen fast schon wie gelähmt erstarren lässt. In akuten Situationen, beispielsweise in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder in einem Supermarkt, ist ein starker Anstieg des Pulses und des Blutdrucks auszumachen, was insbesondere bei älteren Personen gesundheitsgefährdende Ausmaße annehmen kann.

Neben besagtem Herzklopfen und Herzrasen zeigen Agoraphobiker vielfach auch andere körperliche Reaktionen wie beispielsweise Schwitzen, Zittern, Atemnot, Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen oder Schwindelgefühle. Die physiologischen Prozesse sind in der Regel lediglich Begleiterscheinungen von intensiven emotionalen Zuständen, die nicht mehr willentlich kontrolliert werden können und welche für die Betroffenen deutlich schwerer wiegen.

Gewöhnlich herrscht in akuten Situationen die Angst vor, keine Kontrolle mehr zu haben, was mitunter so weit reicht, dass das Gefühl aufkommt, das Leben sei ernsthaft in Gefahr. Auch die Angst, ohnmächtig zu werden, auszurasten oder zu explodieren, ist ein häufiger Begleiter einer Agoraphobie, der Betroffene dazu veranlasst, nahezu fluchtartig die akute Situation zu verlassen.

In schweren Fällen kann das Angsterleben sogar zu einer Depersonalisation führen: Der eigene Körper wird nicht mehr als Teil der individuellen Identität erlebt, sondern er wird vielmehr als ein vom subjektiven Ich abgetrenntes Objekt wahrgenommen, das nur auf intellektueller Ebene noch zu einem gehört.

Da das Leiderleben je nach Ausmaß der Störung ein erhebliches Potenzial besitzen kann, neigen Agoraphobiker dazu, Vermeidungsverhalten an den Tag zu legen: Aus Angst vor bedrohlich erscheinenden Situationen wird versucht, unter allen Umständen eine Konfrontation mit dem Angst auslösenden Reiz zu vermeiden – eine natürliche Reaktion, die auf Dauer den Schweregrad der Agoraphobie in der Regel jedoch verstärkt, weswegen ein bewusster Umgang mit der Agoraphobie wichtig ist.

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